Kurzfassung

Jugendliche haben „Heldicaps – Helden ohne Grenzen“ gestartet, um für Solidarität mit Menschen mit Behinderung zu werben. Sie schreiben gemeinsam mit Jugendlichen mit Behinderung ein Buch. Wesentlich ist die Begegnungen auf Augenhöhe im Kreativsein. Sie sind vom Erarbeiten der Geschichten bis zu öffentlichen Lesungen ein integraler Teil des Projekts. Die Begegnungen verankern das Selbstverständnis von Inklusion, indem Sie die gleichberechtigte Teilhabe aktiv erleben und dazu ins Gespräch kommen.

Sie wurden vom Publikum und der Jury zu den 30 Preistragenden des einheitspreises 2020 gewählt. Was bedeutet Ihnen das?

Der Einheitspreis 2020 bedeutet Anerkennung für die Bemühungen unseres Vereins, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Lebensläufen eine gesellschaftliche Selbstverwirklichung zu ermöglichen.

Wie haben Sie das Thema Ost-West bzw. Solidarität in Ihrem Projekt aufgegriffen?

Unsere Mitglieder reflektieren oft über ihre eigenen Ost-West-Vergangenheit und die gesellschaftlichen Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden. Aus dieser Reflexion und aus ihren religiösen Werten heraus streben sie nach einer solidarischeren Gesellschaft, wo Chancengleichheit und persönliche Selbstentfaltung groß geschrieben werden. Daraus entstand unser Inklusionsprojekt, in dem wir Kinder mit und ohne Handicaps zusammenbrachten und ein Buch schreiben ließen. Solidarität praktisch erlebt. Über mehrere Monate hinweg schrieben die Kinder zusammen, sie besuchten Workshops, malten und ließen ihrer Kreativität freien Lauf.

Was bedeutet das Thema "Deutsche Einheit" bzw. Solidarität im Jahr 2020 für Sie?

Das Jahr 2020 war das Jahr der Solidarität schlechthin. Über viele Berufe und Gesellschaftsschichten hinweg haben die Menschen in Deutschland demonstriert, dass sie ein Herz für die Schwachen haben. Die Schwachen sind unsere Chance, Barmherzigkeit praktisch zu erleben. Die typischen Unterschiede zwischen Ost und West sind für eine kurze Dauer aufgehoben worden. Die Geographie bestimmte nicht mehr das Bild der Menschen. Die Diskussionen in den Medien wurden sachlicher. Es geht nun vermehrt um tatsächliche Risiken und Gefahren und weniger um subjektive und erfundene Ängste.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht nach wie vor Probleme zwischen Ost und West und in der Gesamtgesellschaft

In der Gesellschaft sind gewisse Ängste präsent, die noch viel Arbeit für die Zukunft bedürfen. Zum Einen ist die Zukunfstangst zu nennen, die einige Menschen zu einer Verherrlichung der Vergangenheit führt, vor allem der Kaiserzeit. Diese Vorkriegsvergangenheit ist noch nicht vollständigaufgearbeitet. Sie war war vor allem kolonial, aggressiv und imperialistisch geprägt. Der zugrunde liegende Rassenwahn, der Materialismus und die Menschenverachtung dieser Zeit haben uns die NS-Ideologie beschert. Hier kann sich die Geschichte wiederholen, wenn wir diesen Ideologien nicht entschieden begegnen. Zudem ist eine große Angst vor Nachbarn und Mitmenschen festzustellen. Sie äußert sich in Wahnvorstellungen wie Obergrenzen und Sätzen wie „Das Boot ist voll“. Daraus ist nur eine versteckte Missgunst, Egoismus und Neid zu hören.

Wie können Sie dazu beitragen, dem entgegen zu wirken?

In unserem Verein verbreiten wir durch unsere Inkulsionsarbeit moralische Werte, von denen wir uns erhoffen, die gesellschaftlichen Ängste in unserer Umgebung abzubauen. Solche Werte der Solidarität, der Offenheit, der Toleranz, des Respekts vor Nachbarn und Mitmenschen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Gesellschaft. Wir wollen weiterhin kreative Workshops, Vorträge und kulturelle Projekte für unsere Gesellschaft veranstalten.

Haben Sie schon Pläne für das Preisgeld?

Ein Teil des Geldes soll gespendet werden. Der Großteil des Preisgeldes soll in Folgeprojekte des Heldicap-Projekts fließen. Wie zum Beispiel ein Würfelspiel zum kreativen Geschichtenerfinden in Jugendzentren oder Antidiskriminierungsworkshops. Diese Projekte sind noch in Planung.

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