Preisträger 2005
Preisträger Kategorie Lebenswelten – Begegnung in der Einheit
Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern e.V. (VKF):
Der Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern e.V. (VKF) wurde 1992 von sieben Studenten in Düsseldorf ins Leben gerufen. Kurz nach der Wiedervereinigung entstand die Idee, einen aktiven Beitrag zum Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands zu leisten und zugleich die noch „unbekannten“ neuen Bundesländer unmittelbar zu erleben und kennen zu lernen. Im Zentrum des Engagements stehen seither Workshops, bei denen 30 bis 60 junge Leute aus Ost und West für ein Wochenende aktive Arbeit an einem Baudenkmal in Ostdeutschland leisten. Bei den Workshops, die auch in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort organisiert werden, werden Schüler, Studenten und Berufsanfänger zu Maurern, Dachdeckern, Restauratoren und Gärtnern.
Doch geht es den Initiativen des VKF um viel mehr, als allein die Sicherung oder Restaurierung eines Baudenkmals. Die gemeinsame Organisation der Workshops und die gemeinsame Arbeit vermitteln ein Zusammengehörigkeitsgefühl und lassen Grenzen zwischen Ost und West verschwinden.
Bis heute hat die Gründungsidee nichts von ihrer Faszination verloren: Nach fast 13 Jahren des Bestehens hat der VKF mittlerweile über 650 Mitglieder und blickt auf eine Vielzahl von Veranstaltungen zurück.
Preisträger Kategorie Medien – Beobachtungen zur Einheit
Hörfunkreihe “Erinnerungen für die Zukunft” von NDR 1 Radio MV:
Die ausgezeichnete Hörfunkreihe „Erinnerungen für die Zukunft“ setzt sich bereits seit 1993 mit der Geschichte des geteilten Deutschlands auseinander. In mittlerweile mehr als 100 Sendungen wurde so die Geschichte der Teilung lebendig. Dazu gehörten Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien genauso wie Geschichten aus dem Alltag der Menschen im geteilten Deutschland. Die „Macher“ dieser Sendereihe, Journalist/innen aus den alten und neuen Bundesländern, wollten erlebter Geschichte in ihrer ganzen Vielfalt zwischen offizieller Darstellung und alltäglicher Erfahrung nachspüren und so in ihren einstündigen Hörfunksendungen ein Stück deutsch-deutsche Erinnerungsarbeit anbieten.
Die Reihe spannt einen weiten Bogen von Themen der unmittelbaren Nachkriegszeit unter sowjetischer Besatzung, über den Widerstand der frühen 50er Jahre gegen das SED-Regime in der gerade gegründeten DDR, zu Erfahrungen mit dem Repressions- und Spitzelapparat der Stasi im real existierenden Sozialismus bis hin zur friedlichen Revolution der Bürgerbewegung in der DDR. Darüber hinaus begleitet die Sendereihe in vielen Beiträgen den Einigungsprozess, wie er sich seit 1990 entwickelt hat, in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Unverzichtbarkeit.
Roland Jahn:
1953 in Jena geboren, gehörte Roland Jahn zu den markantesten Kritikern des DDR-Regimes. Schon die Militärzeit, die er nach dem Abitur 1972 bei der Kasernierten Bereitschaftspolizei ableisten musste, stürzte ihn in tiefe Gewissenskonflikte: Seine Einheit musste für Einsätze bei imaginären Studentenunruhen in Jahns Heimatstadt üben. Nach der Militärzeit kehrte Jahn 1974 nach Jena zurück, nimmt dort an Lyrik- und Leserkreisen in den Räumen der Jungen Gemeinde teil, organisiert kleine Kunstausstellungen. Roland Jahn beginnt ein Studium, wird jedoch exmatrikuliert, als er 1976 die Ausbürgerung Wolf Biermanns kritisiert.
Mit großem Engagement unterstützte er nach seiner Zwangsausbürgerung 1983 von West-Berlin aus
die DDR-Opposition. Jahn besorgte Vervielfältigungsgeräte und Druckmatrizen, Videokameras, Computer,
Bücher und Zeitungen, vermittelte Kontakte zu westlichen Politikern, Journalisten und Diplomaten.
Als freier Journalist arbeitete er für die Ost-Berlin-Seite der Westberliner „tageszeitung“ und für das
TV-Magazin „Kontraste“. Seine TV- und Radioberichte erreichten auch die ostdeutschen Wohnzimmer. Nach dem Mauerfall begleitete und dokumentierte er die Auflösung des MfS-Geheimdienstes in Berlin und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur mit zahlreichen wegweisenden journalistischen Beiträgen, vor allem im TV-Magazin „Kontraste”.
Preisträger Kategorie Jugend – Zukunft der Einheit
Partnerschaft zwischen dem Staatlichen Gymnasium Bergschule Apolda, dem Friedrich-Ebert-Gymnasium Mühlheim/Main und der Jugendpflege Mühlheim/Main:
Nur wenige Einrichtigungen können wie diese drei Einrichtungen auf eine bereits 15 Jahre andauernde deutsch-deutsche Partnerschaft verweisen. Alle Seiten waren stets bestrebt, die Beziehung lebendig zu gestalten. Mit Treffen von Elternvertretern und Mitgliedern der Fördervereine, Austausch von Schülern und Schülervertretungen, gemeinsamen Aufenthalten in Schullandheimen, Projektwochen, Schulfesten, Theateraufführungen und Seminarwochen arbeiteten und arbeiten Vertreter der drei Institutionen aktiv an der Gestaltung der äußeren und der inneren Einheit.
Eines der wichtigsten Projekte ist die gemeinsame Arbeit am Auschwitzprojekt. Mehr als 500 Jugendliche
aus Mühlheim und Apolda haben mittlerweile an den jährlich stattfindenden Projektfahrten nach Auschwitz teilgenommen. Die in Auschwitz begonnenen Projekte werden gemeinsam fortgeführt und schließlich in beiden Städten präsentiert. Den Pädagogen gelingt es mit diesen und anderen Projekten, die Schülerinnen und Schüler für eine tiefgründige Beschäftigung mit Themen der deutschen Vergangenheit zu begeistern und damit ihr Geschichtsbewusstsein nachhaltig zu prägen. Jugendliche aus einer ost- und einer westdeutschen Schule lernen gemeinsam, sich mit dem unterschiedlichen deutsch-deutschen Geschichtsbild und Umgang mit Geschichte in BRD und DDR auseinanderzusetzen.
Elbkinderland e.V.:
Der Verein Elbkinderland e.V. wurde am 23. März 2003 in Wittenberge mit dem Zweck „der musischen Förderung von Kindern und Jugendlichen entlang der Elbe“ gegründet. Die Idee hierzu entstand im Rahmen einer von Rolf Zuckowski organisierten Elbtournee „Gegen den Strom“, bei der der Liedermacher im Jahr 2000 mit insgesamt 40 Kinderchören in 23 Elb-Orten zu Gast war.
Elbkinderland e.V. koordiniert und organisiert heute unter der Schirmherrschaft von Rolf Zuckowski musische Begegnungen für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren. Sie kommen aus Schul- und Kirchenchören, aus Chören und Musikensembles in freier Trägerschaft entlang der gesamten Elbregion. In der Vorbereitung der Chöre und Begegnungen erfahren die Kinder und Jugendlichen viel über den Lebensraum Elbe in seiner kulturellen Vielfalt und seiner bewegten Vergangenheit. Alle Beteiligten kommen sich dabei einander über regionale, kulturelle und Länder-Grenzen hinweg näher. Aus den bisherigen Begegnungskonzerten sind viele persönliche Freundschaften gewachsen, die per Post, Mail oder durch private Besuche über das Chorleben hinaus gepflegt werden.
Preisträger Kategorie Kultur – Interpretation der Einheit
Unternehmen Wirtschaft und Kunst – erweitert gGmbH
Baumkreuz-Projekt an der B 7:
Sechs Kasseler Künstler und der Landschaftsarchitekt Norbert Scholz pflanzten im November 1990 entlang der alten Bundesstraße B7, der Ost-West-Verbindung zwischen Hessen und Thüringen, ein Kreuz aus 140 Linden und Eschen – das BAUMKREUZ. Dazwischen steht der Grenzzaun – das vermutlich längste original erhaltene Stück in ganz Deutschland.
Die Verantwortung für Pflege, Erhalt und Weiterführung der Skulptur BAUMKREUZ trägt das 1990 gegründete Unternehmen Wirtschaft und Kunst – erweitert gGmbH. Inzwischen gibt es einen festen Helferstamm von fast 100 Engagierten aus ganz Deutschland, die jedes Jahr im Herbst zusammenkommen, um das BAUMKREUZ fortzupflanzen. Dabei geht es den Helfern und Initiatoren nicht nur um den ökologischen Aspekt des Baumpflanzens, sondern auch um den Gedankenaustausch und das gemeinsame Tun über die (ehemaligen) Grenzen hinweg.
Druckansicht |
nach oben



Startseite
Seite weiterempfehlen
Sitemap
Impressum