Preisträger Kategorie Menschen – Akteure der Einheit
Wolfgang Süße
Wolfgang Süße ist der 1. Vorsitzende des 1880 gegründeten Thüringerwald-Vereins Coburg. Der Verein wurde nach 1945 in der DDR verboten und konnte erst nach der Nazi-Zeit, im Jahr 1949 seine Arbeit wieder aufnehmen. Der Thüringerwald-Verein Coburg setzt sich für den Austausch zwischen ost- und westdeutschen Wanderern ein. Dies erreicht er durch nationale Wandertage im Thüringerwald, wo er Menschen aus Ost und West einander durch Wahrnehmung gemeinsamer Interessen näher bringt. Der Verein hat sich zudem den Naturschutz und die Förderung von Kultur und Landschaften auf die Fahnen geschrieben.
Klaus Knabe
Der 1939 in Pohrsdorf bei Dresden geborene Klaus Knabe schuf so hartnäckig wie umsichtig eine kulturpolitische „Sammlung gegen das Vergessen“. Obwohl er sich in seinen Kinder- und Jugendjahren nicht gegen die neue Zeit stellte und sich sogar engagierte, wie beispielsweise als Mitglied bei den „Jungen Pionieren“, gab er seine kritische Haltung nie auf. Kurz vor dem Bau der Mauer verließ Klaus Knabe die DDR. Während der gesamten Zeit der Mauer hielt jedoch seine Liebe zu seiner sächsischen Heimat und zu seinen Freunden und Bekannten auf der anderen Seite der Mauer an, so dass er nach dem Fall der Mauer in seine Heimat reiste. Dort brach dann seine Sammelleidenschaft aus und er sammelte Insignien der zerfallenden DDR-Staatsmacht.
Aus der zuerst nur im Privathaus untergebrachten Ausstellung ging bald ein bisher einzigartiges Museum hervor. Das Museum deckt im Wesentlichen alle Aspekte des Lebens in der ehemaligen DDR ab, ohne Nostalgie hervorzurufen. Vielmehr ruft es Erstaunen hervor, weil sich hinter dem besonders im Westen gepflegtem Bild des lediglich anderen deutschen Staates etwas verbarg, das man weder als eine totalitäre Diktatur, noch als einen Unrechtsstaat samt den permanenten Menschenrechtsverletzungen sehen wollte. Klaus Knabe gründete das erste und bis heute einzige DDR-Museum im Westen in Pforzheim, mit dem er die Alltagswelten der DDR darstellen und besonders Jugendliche für das Thema sensibilisieren will.
Preisträger Kategorie Projekte – Gestaltung der Einheit konkret
„INTERZONE“
Mit „INTERZONE“ wurde eine zehnköpfige Künstlergruppe aus Halle (Saale) und Hildesheim ausgezeichnet. INTERZONE ist ein Kunstprojekt in einer von Abwanderung betroffenen Region mitten in Deutschland zu beiden Seiten der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Es entstand durch die Zusammenarbeit der beiden Projektträger Knotenpunkt e.V./Künstlerhaus 188 aus Halle (Saale) und KulturFabrik Löseke e.V. aus Hildesheim. Die Künstler des Projekts INTERZONE setzen sich mit der Vergangenheit der Deutschen Einheit auseinander, versuchen aber auch die Frage zu beantworten, wie die Situation der Einheit in Zukunft aussehen könnte. Um die Menschen in Ost- und Westdeutschland zu erreichen stellten die Künstler an 16 Bahnstationen der Regionalbahnlinien 320 und 330 zwischen den Partnerstätten Halle (Saale) und Hildesheim ihre Exponate zu dem Thema „Deutsche Einheit“ aus. Ihr Projekt wurde durch ein Rahmenprogramm begleitet, welches Themen der Kunstwerke aufgreift und sie mit Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops fundiert. Hinzukommen die INTERZONE-Scouts, welche die einzelnen Projekte begleiten und zu einem Dialog zwischen den Anwohnern und Besuchern anregen.
„Das ist unsere Stadt“ – Austausch junger Menschen aus Greifswald und Osnabrück
Zweiter Preisträger in dieser Kategorie ist das Projekt „Das ist unsere Stadt“, mit dem junge Menschen aus Greifswald und Osnabrück ihre Heimat im Rahmen eines gemeinsamen Marketingprojektes präsentieren. Das Projekt geht auf eine seit 1989 bestehende Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen den berufsbildenden Schulen in Osnabrück und Greifswald zurück. Die Schüler der berufsbildenden Schulen lernen sich in jährlich stattfindenden Treffen kennen und verstehen. In diesem Jahr wurde dem Austausch ein neuer Schwerpunkt gegeben. Bevor die Schüler sich gegenseitig besuchten, erarbeiteten sie ein Marketingkonzept für ihre Stadt, welches sie sich später gegenseitig vorstellten. Das Ziel des neuen Marketingkonzeptes ist es gegen die Sprachlosigkeit, Desinteresse und Vorurteile der Jugendlichen vorzugehen. Das Projekt hilft ihnen eine eigene Identität zu entwickeln und zu stärken. So ist eine sachliche Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Realität in Ost und West möglich. Gleichzeitig wird aber auch das Verständnis füreinander geweckt.
Preisträger Kategorie Medien – Beobachtungen zur Einheit
ZDF – Dokumentation „Gut vereint ist halb gewonnen“ von Andreas Postel
Das uneinig vereinte Deutschland ist Thema des Medienpreisträgers Andreas Postel. Seine im Rahmen der ZDF-Sendereihe „Wo steht Deutschland“ entstandene 30-minütige Dokumentation nimmt Vorurteile aus Ost und West auf die Schippe und stellt diese faktenreich an ausgewählten Beispielen dar. Er erzählt in seiner Dokumentation Geschichten von Menschen aus Ost und West, die nicht von Klischees und Voreingenommenheit geprägt sind. Sein Credo: Nur in einer offenen Auseinandersetzung wächst das Verständnis füreinander.
„Ostkreuz“ – Harald Hauswald
Für seine Arbeit in und mit dem Fotografennetzwerk „Ostkreuz“ wurde Harald Hauswald in der Kategorie Medien ausgezeichnet. Der Fotograf und Autor engagiert sich seit der Wende auf besondere Weise gegen das Vergessen, aber auch gegen das Verklären. Als einer von sieben Ostberliner Fotografen gründete er nach der Wende das Fotografennetzwerk „Ostkreuz“. In seinen Fotos dokumentiert sich stets eine Mischung aus Anteilnahme und Distanz. Harald Hauswald hat sich keiner Ostalgie verschrieben, noch treibt ihn die Sensationslust. Was ihn treibt ist die ehrliche Dokumentation. Dieser geht er seit 1989 konsequent nach. Das Fotografennetzwerk besteht heute übrigens zur Hälfte aus Ost- und Westfotografen.